über uns

Lotte und Peter: über uns

Balkan 2012 (2): Euböa nord - Graz

Überblick:


 

Mittwoch, 01.08.


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Heute ist unser letzter Tag am Campingplatz bei Eretria, wo wir uns wirklich wohl gefühlt haben. Wir stehen früher auf als gewöhnlich und lassen den Morgenschwimm aus. Zusammenpacken und sauber machen ist doch immer wieder mehr Arbeit, als man glaubt. Der Staub ist überall im Bus und ärgert Peter besonders – schließlich muss man doch staubfrei wieder auf die Piste. Und erst die große Scheibe!! Wer Peter kennt weiß, dass die glasklar sein muss vor dem losfahren. Also innen und außen putzen. Und dann muss alles verstaut werden, der Kühlschrank an seinen richtigen Platz geschoben werden etc., etc., etc. Wir wollen hier ja niemanden quälen. 

Um 11 Uhr geht’s endlich los, aber es sind ja nur ca. 170 km bis zu unserem nächsten Ziel. Die Reise geht in den Nordteil von Euböa. Wir fahren an Chalkida vorbei und halten noch kurz beim Yamahahändler, um uns die Fotos von der Motorradreparatur zu holen. Die Straße führt an einem langen, einsamen Sandstrand entlang, an dem sich die Möwen tummeln.
Eine Weile geht es noch durch die Ebene, aber bald hinter Kastella wird es kurvig und, je höher wir kommen, auch immer grüner. Die Olivenbäume bleiben zurück und wir fahren durch herrlich duftende Pinienwälder. Wir kommen zwar nicht besonders schnell voran, weil die Straßen unterschiedlich gut oder schlecht sind, aber wir haben es ja nicht eilig und die Gegend ist wirklich wunderschön. Eine Zeit lang begleiten wir einen richtigen Bach und dort machen wir auch Pause, weil es hier etwas besonderes zu sehen gibt. 
Wenn man durch den Bach watet – früher einmal gab es hier eine Hängebrücke – und einen Feldweg entlanggeht, kommt man zu einer Jahrhunderte alten Platane.  


Sie ist innen schon ganz hohl, viele ihrer Äste sind abgestorben oder abgebrochen, aber immer noch treibt sie unverdrossen aus. Ein beeindruckender Baum. Wieder zurück, gönnen wir uns kurz eine Erfrischung in einer schattigen Taverne und weiter gehts. Je weiter wir nach Norden kommen, umso mehr bewölkt sich der Himmel im Westen.
Doch ist das Meer spiegelglatt und alles ruhig, als wir am Campingplatz in Rovies ankommen. Zu unserer Überraschung können wir uns hier einen Platz in der ersten Reihe aussuchen. Wir entscheiden uns für einen schattigen Pinienplatz, wo wir den Bus, nach abstützen von herunterhängenden Ästen, so einparken, dass wir die hinteren Türen zum Meer hin öffnen können. Diese Aussicht hätten wir daheim auch gern.
Inzwischen hat der Wind immer mehr zugelegt und die Wolkenstimmung wirkt bedrohlich. Wir machen alle Luken dicht, denn die Pinien bewerfen uns unverschämt mit ihren trockenen Nadeln und und für die Freude am Nadelbett sind wir nicht Fakir genug. Die Brandung rauscht gewaltig, das Festland ist nicht mehr zu sehen und wir beobachten die Wellen, bis uns zum ersten Mal seit langer Zeit so richtig fröstelt. Es hat nämlich nur 24°C. In dieser Nacht schlafen wir erstmals wieder mit Decken. Ein ungewohntes Gefühl. 

Donnerstag, 02.08.  

Die letzten Motorradausflüge waren immer über 120km und endeten mit schmerzendem Hintern, deshalb planen wir heute eine kürzere Tour: Die Runde Rovies – Drimonas – Kerasia - Simia – Rovies soll 70km werden. Aber gleich am Anfang kommen einige km dazu, denn auf der Suche nach der nächsten Tankstelle fahren wir auf der Küstenstraße in die falsche Richtung und bemerken den Irrtum erst nach 4km. Wir drehen um, fahren wieder beim Campingplatz vorbei und finden die Tankstelle nach 2km in der Richtung, in die wir sowieso wollen. Bei Rovies biegen wir ins Hinterland ab und gelangen bald auf eine kleine Straße, die zu den Wasserfällen bei Drimonas führt. Unterwegs kommt ein Hund aus einer Ausfahrt gelaufen und bellt aggressiv. Ich kann wegen Gegenverkehr nicht weit ausweichen. Ich will auch nicht bremsen und den Hund dann freundlich ersuchen, uns nicht zu beißen, sondern vorbei zu lassen. Deshalb beschleunige ich noch, um ihm vielleicht doch Angst einzujagen. Es funktioniert, aber Lotte bemerkt den Hund erst im letzten Moment 2m von ihren Beinen entfernt, schreit auf und bekommt fast einen Herzinfarkt.Wir gelangen in eine bewaldete bergige Gegend und auf über 600m Höhe erreichen wir die Taverne beim Anfang des Katarakt-Weges.

Wir wandern eine halbe Stunde in die Schlucht hinunter und freuen uns, dass die Wasserfälle auch um diese Jahreszeit nicht ausgetrocknet sind. Der Weg besteht zum Teil aus hölzernen Brücken und Stiegen, denen schon einige Bretter fehlen, in Österreich wäre er sicher mit dem Hinweis auf Lebensgefahr für Wanderer gesperrt. Hier begegnen wir vielen GriechInnen, die wie wir den Schatten des Waldes und die „wassergekühlte“ Luft genießen.



Zurück bei der Taverne können wir dem schattigen Gastgarten mit dem Bach dahinter nicht widerstehen und essen köstliche Gemüseomeletts. Dann fahren wir weiter, bei Kerasia soll es einen versteinerten Wald mit Mill. Jahre alten Bäumen geben. Leider haben wir keine genaue Ortsangabe. Wir sehen eine Hinweistafel für ein Museum. Das Museum sperrt erst in einer Stunde auf, wir warten in einem kleinen Lokal über dem Dorfplatz. Lotte bestellt sich einen Ouzo für die Verdauung des Omeletts, ich muß mich mit Cola begnügen. Zum Ouzo wird ein kleiner Teller mit Thunfisch,Scampi und Oliven serviert. Lotte hat ein angespanntes Verhältnis zu Meeresfrüchten, daher darf ich die Köstlichkeiten verspeisen und bekomme dafür auch einen Schluck Ouzo, den ich dann wirklich brauche. Inzwischen ist es 17 Uhr, das Museum sollte jetzt offen sein. Eine Frau sperrt uns auf, spricht aber leider nur griechisch. Auch im Museum ist alles nur in der Landessprache beschriftet. Wir betrachten Fossilien und Knochen von Mastododons, Säbelzahntigern und anderen früheren Bewohnern dieser Gegend. Wegen des Sprachproblems erhalten wir keinen Hinweis auf den versteinerten Wald und müssen auf dessen Besuch verzichten. Wir fahren weiter nach Simia, um die auf der Straßenkarte eingezeichnete Burg zu sehen. Aber auch dort finden wir nichts und müssen erfolglos umdrehen. Am Rückweg sehen wir viele Pinien,denen das Harz abgezapft wird. Die Hänge neben der Straße sind manchmal rot und wir fragen uns, ob es hier das gleiche ockerhältige Gestein wie in Südfrankreich gibt.

Freitag, 03.08.


Badetag für Lotte, ich darf zuschauen und meine Wunde schonen.

Samstag, 04.08.

   

 Um 11 Uhr haben wir mit Jörg, einem Freund aus Graz, dessen Frau Irini aus Limni stammt, einen Treffpunkt in Limni vereinbart. Wir haben kein Telefon mit und kommen 15 Minuten zu spät, von Jörg ist nichts zu sehen, weil er mit seinem Sohn Jannis 16 Minuten zu spät kommt. Griechische Pünktlichkeit funktioniert eben auf andere Art. Zuerst besuchen wir Bankomat und Apotheke: Jörg und der Apotheker besprechen auf griechisch, dass mein Bein amputiert gehört, worauf ich fluchtartig die Apotheke verlasse. Wir kommen nur langsam weiter, weil Jörg erst seit 2 Tagen in Limni ist und den halben Ort begrüßen muss. Dann setzen wir uns in ein Cafe an der Uferstraße, später kommt Irini nach, auch Verwandte von Irini schauen vorbei, der elf Monate alte Jorgos schläft inzwischen im Haus von Irinis Eltern. Wir unterhalten uns und trinken das griechische Nationalgetränk für heiße Tage: Nescafe frappé mit Eis, Lotte ist vorsichtig und trinkt Pfefferminztee. Jörg wird mit Irini und den Kindern Jannis und Jorgos ein Jahr in Limni leben. Wir verabreden uns noch für den Abend, um eine Aufführung von griechischen Volkstänzen zu sehen. Dann fahren wir mit Jörg zu einer Anhöhe am Stadtrand, die einen schönen Blick über Limni bietet.

Wir versorgen uns in Limni noch mit Gemüse und Milchprodukten und verbringen den Nachmittag am Campingplatz. Nach einem selbst gekochten Abendessen fahren wir zur Tanzaufführung. Jörg erwartet uns mit einer Programmänderung. Seine Schwiegereltern haben uns zum Essen eingeladen. Wir sind noch vollkommen satt und beschließen, nach der Aufführung die Familie zu besuchen. Jörg zeigt mir den Weg, inzwischen verteidigt Lotte erfolgreich meinen Sessel, denn der halbe Ort ist zur Aufführung gekommen. Manche Folkloregruppen treten in Trachten auf, die wir sonst aus der griechischen Fremdenverkehrswerbung kennen. Andere haben slawische Einflüsse und wieder andere wirken für uns türkisch-orientalisch. Mit der Musik verhält es sich ähnlich. Die Vorführung ist gut einstudiert, nur die Musiker werden leider sehr schlecht verstärkt. Es ist viel zu laut und die Boxen jammern. Unverstärkt wäre es wahrscheinlich schöner. Es ist fast 23 Uhr, als wir nach einer kurzen Fahrt auf schmalen und extrem steilen „innenstadt-“Straßen bei Irini´s Familie eintreffen. Wir werden freundlich begrüßt und essen dann doch noch gegrilltes Fleisch mit leckeren lokalen Beilagen. Irinis Vater besitzt auch Weinstöcke, sein selbst gemachter Wein schmeckt hervorragend. Ich mache eine Ausnahme vom sonst strikten Vorsatz, beim Motorrad-fahren keinen Alkohol zu trinken und leere zwei Gläschen. Die Unterhaltung ist ein wenig eingeschränkt, da wir gegenseitig immer wieder auf die Übersetzung warten müssen, aber dennoch lebhaft. Irinis Geschwister reden allerdings auch englisch, aber das verstehen dann wieder ihre Eltern nicht. Hauptsächlich geht es um Unterschiede im Gesundheitssystem, da einerseits Irinis Schwester schwanger ist und andererseits Jörg und Irini nicht so genau wissen, wie sie es in Griechenland mit der Krankenversicherung geregelt bekommen. Es ist für sie einfach zu teuer, jedes mal, wenn auch nur eine Kleinigkeit mit den Kindern ist, gleich EUR 50,- auf den Tisch legen zu müssen. Nach und nach gehen alle schlafen. Sieben Erwachsene und zwei Kinder in einem Haus mit 85qm, weil gerade alle bei den Eltern auf Besuch sind. Nur Irinis Bruder geht noch fort. Der ist Single und muss am Samstag Abend die Gegend unsicher machen. Jörg und Irini zeigen uns noch die Dachterasse des Hauses, die einen schönen Blick über Limni auf´s Meer bietet. Um 01 Uhr machen wir uns auf den Rückweg zum 15km entfernten Campingplatz, mit kurzer Hose und T-Shirt ist es jetzt fast kalt. Wir schleichen uns ohne Motor auf den Campingplatz, setzen uns noch ein wenig heraußen hin, weil es gerade so angenehm ist. Dann gehen wir schlafen und merken kaum noch, wie schön das Licht des Vollmonds auf unser Bett fällt.



Sonntag, 05.08.


Wir verbingen den Tag am Campingplatz. Lotte geht schwimmen, ist allerdings sehr gefrustet, weil große braune Quallen ihr das Schwimmen vergällen. Die tun zwar nicht weh, aber es graust ihr. Peter ist gefrustet, weil er sich wegen seiner Wunde noch immer nicht ins Wasser traut.

Am Abend fahren wir nach Limni. Es gibt zwar keine Auffühung, wie wir gehofft haben, aber dafür ein leckeres Eis.





Montag, 06.08.



Heute wollen wir wieder einen Ausflug machen. Vormittag geht es nach Loutra Aedipsos, da ist das Motorradfahren noch angenehm. Die Stadt ist seit 3000 Jahren bekannt wegen ihrer heißen Schwefelquellen. Oberlaa lässt grüßen. Das Besondere ist, dass das heiße Wasser am Strand einfach heraussprudelt und jede/r Mann und Frau sich direkt ins Quellwasser legen kann. Es hat ca. 45°C und Lotte hält es kaum aus, ohne zu zappeln. Die Griechen liegen einfach drinnen und das stundenlang und bei Lufttemperaturen, die ohnehin schon schweißtreibend genug sind. Wir können uns nicht erklären, warum sie nicht alle am Hitzschlag sterben. An den weißen Badehauberln kann es ja wohl nicht liegen.

Natürlich ist die Stadt auch ein bekannter Kurort und das Wellnesshotel gehört zu den 10 Besten weltweit.

Wie überall sind die typischen Kurgäste schon ältere und betuchtere Semester und das gibt dem Ort ein besonderes Flair.

Wir wollen weiterziehen und suchen eine Zufahrt zur Hauptstraße. Rechts herum – hm – geht nicht, links herum – hm – endet im Nirwana. Na dann vielleicht wieder da hinaus, wo wir hergekommen sind. Da sind wir zwar auf der Hauptstraße, aber in die Richtung, in die wir wollen, geht es nicht weiter – Baustelle für die Umfahrungsstraße. Peter ist schon völlig genervt. Also wieder zurück, durch den Ort, dem anderen Schild nach, zum Hafen und einem Überlandbus hinterher. Der wird schon wissen, wie man hier rauskommt. Uff – es klappt. 
Wir fahren nach Agiokampos, denn in ein paar Tagen wollen wir von hier mit der Fähre nach Glyfa aufs Festland übersetzen und es ist immer gut, wenn man schon die örtlichen Gegebenheiten und die Abfahrtszeiten kennt. Alles ganz einfach, die Fähre geht alle 2 Stunden zu geraden Zahlen und mindestens bis 14:00. Mittlerweile ist es ordentlich warm geworden und wir gönnen uns ein Kaltgetränk in der Taverne am Hafen. Wir sehen, wie die Fähre ablegt. Es ist 13:00. Was? Wieso fährt die um 13:00, wo doch 12 und 14:00 angegeben ist? Wir haben keine Ahnung, aber es ist uns jetzt klar, dass wir uns wegen der Zeiten nicht stressen brauchen. Griechisch eben! Ziemlich mitgenommen von der Hitze beim Starten, obwohl zum Glück im Schatten, hoffen wir auf kühlenden Fahrtwind, als wir zu dem Biotop in der Ebene von Istiaea weiterfahren. Die Landschaft wird flach und sehr grün. Durch ausgiebige Bewässerung und natürliche Flüsschen gibt es hier eine Schilflandschaft und viele Felder. Sogar Baumwolle wird hier angebaut. Als wir kurz anhalten, um uns am GPS zu orientieren, wird neben uns ein Feld gepflügt oder Heu gewendet. So genau wissen wir das nicht, auf alle Fälle riecht es plötzlich ganz intensiv nach - ja wonach denn nur? Es erinnert an Medizin, Hustensaft vielleicht. Als Lotte die Reststengel am Feld sieht, fällt ihr ein, dass es Fenchel ist. Inzwischen ist es selbst beim Fahren so heiß geworden, dass wir nur noch eines wollen – nach Hause und ins Meer. 
Als uns bei einer Kreuzung der Motor abstirbt und nicht mehr in Gang zu bringen ist, sind wir fertig mit der Welt. Pampa ist ein Hilfsaudruck für die Gegend, in der wir uns befinden und wenn Peter, der Ärmste, 5 mal hintereinander den Kickstarter betätigt, ist es bis zu einem Herzkasperl nur noch ein Katzensprung. Wir lassen die Maschine ein wenig abkühlen und drehen ihr den Benzinhahn zu. Vielleicht zeigt sie dann Reue. Endlich beim x-ten mal funktioniert es, weil Peter Vollgas gibt. Jetzt schnell aufsteigen und los. Mit ein bisschen mehr Tempo hoffen wir auf Kühlung. Vergeblich. Der Fahrtwind ist heiß wie in der Wüste, selbst am Berg, über den wir fahren müssen. Völlig erledigt aber erleichtert kommen wir zum Bus und trinken erst einmal alles in erreichbarer Nähe. Dann ein wenig Ruhe und Lotte schwimmt, zum Glück keine Quallen in Sicht. Am späteren Nachmittag bekommen wir Besuch von unseren Graz-griechischen Freunden und ihren beiden Kindern. Da wir uns inzwischen erholt haben, ist es ein netter Nachmittag im Schatten am Srand. Peter geht erstmals wieder ins Wasser und genießt das sehr. 
Für Abends lädt Jörg uns zu einem lokalen Fußballspiel ein. Er spielt in einer Mannschaft und ist sehr ehrgeizig. Wenn sie heute gewinnen, steigen sie auf. Um 22:30 beginnt das Spiel und dauert 2 mal 25 Minuten. OK, das hält sogar Lotte aus. Es ist ziemlich spannend, denn die Gegner sind lauter Jungspunde und dementsprechend schnell und ausdauernd. Ohne Jörg wäre seine Mannschaft ganz schön aufgeschmissen gewesen. Er schießt 5 Tore und dementsprechend zufrieden ist er mt sich selbst. Jannis, sein fünfjähriger Sohn, ist stolz auf seinen Papa, der hilft, 12 zu 11 zu gewinnen.




Dienstag, 07.08.



Wir überlegen uns die Route für die Rückfahrt. Am reizvollsten wäre eine Fahrt zum Ohridsee und weiter durch Albanien nach Mostar. Unser Internet-Stick funktioniert nur in Griechenland, daher notiere ich mir Camping-plätze, die in frage kommen und speichere sie auch ins Navi. Es ist wieder sehr heiß, über 35°, die Quallen haben sich verzogen und Lotte kann ausgiebig schwimmen. Am Nachmittag ruft Jörg an: Irinis Familienclan fährt noch zum Baden und anschließendem Abendessen nach Agia Anna, wir können mitkommen. Das Motorrad wird mit der üblichen Ausrüstung bepackt: Badesachen, Fotoapparat, 2 Nierengurte für die Rückfahrt. Auf lange Hose und Lederjacke verzichten wir schon seit Tagen, weil die Wahrscheinlichkeit von Schürfwunden und gebrochenen Knochen durch einen Sturz geringer ist, als die Wahrscheinlichkeit eines Hitzetods in voller Montur. Nach 40km erreichen wir den Strand von Agia Anna auf der Ostseite Euböas. Zuerst zeige ich Lotte den Campingplatz, den wir ursprünglich besuchen wollten, weil er im InterNet so verlockend beschrieben war. Er hat mir schon vor zwei Wochen nicht gefallen, Lotte geht es heute genauso. Wir fahren dann langsam am über 1km langen Strand entlang und finden bald den Volvo von Jörg. Seine Familie ist schon am Strand. Jörg und ich spielen dann Beachtennis, eine Mischung aus Federball und Tennis.

Der Schweißverlust entspricht mindestens einem Saunabesuch. Dann folgt eine Abkühlung im Meer und ein Tröpferlbad unter der Stranddusche, aber zum Entsalzen reicht es. Es wird langsam finster, wir wechsel in eine Taverne an der Strandstraße, die einer Verwandten von Irini gehört. Verwandte von Irini gibt es eine Menge und wir schaffen es kaum, uns die Namen, geschweige denn die Verwandtschaftsverhältnisse, zu merken. Auch die Sprachenvielfalt ist enorm. Ein Onkel von Irini ist mit einer Französin verheiratet und sie hat einige ihrer Verwandten mitgebracht. Also wird französisch, englisch, deutsch und griechisch gesprochen. Kaum einer versteht alle anderen. Aber das ist ja auch recht lustig. Lotte versteht zumindest drei Sprachen obwohl ihr die Französin bescheinigt nur „un tout petit francais“ („ein ganz kleines bißchen französisch“) zu können. Daraufhin ist sie erst einmal beleidigt, immerhin konnte sie sich mit der Dame ja ganz normal unterhalten. Beim Essen erleben wir eine richtige „Paréa“, ein griechisches Familienessen. Jeder bekommt einen leeren Teller und nimmt sich selbst von den verschiedensten Köstlichkeiten, die auf Vorschlag der Familienmitglieder serviert werden. So können wir Gerichte probieren, deren Namen wir gar nicht kennen und die auf den Touristen-Speisekarten oft gar nicht angeboten werden: Spinatartiges gekochtes Blattgemüse, gebratene Sardinen, gegrillten und gebackenen Tintenfisch, Mayonnaise-Salat mit Shrimps, Shrimps in scharfer Tomatensoße, gebackene Melanzani,… Es ist ähnlich wie beim Fondue-Essen: Überall ein bißchen kosten, und nach drei Stunden ist man trotzdem satt. Dazu gibt es Wasser und Hauswein. Viele der Speisen sind köstlich, obwohl für Lottes Geschmack der Tintenfisch zu realistisch ist. Das scheint auch für die Franzosen zu gelten, denn das junge Mädchen verzieht angewidert das Gesicht: igitt Oktopus. Darauf der griechische Onkel: „Wieso, ihr esst doch auch Frösche!“ Erst nach Mitternacht wird gemeinsam bezahlt und der Betrag auf die 13 Erwachsenen aufgeteilt. Bei der Rückfahrt staunen wir wieder über die völlig unterschiedlichen Lufttemperaturen, mehrmals ändert sich dieTemperatur in wenigen Sekunden um 10°. Der Scheinwerfer des Motorrads ist für Nachtfahrten kaum ausreichend, daher bleiben wir hinter einem PKW und nutzen dessen Lichtkegel mit, vom letzten Abschnitt Limni – Rovies kennen wir inzwischen eh schon jede Kurve. Lotte hat einige Gläser Wein getrunken, die üblichen Aufforderungen zum langsamer fahren bei Dunkelheit fallen heute aus.



Mittwoch, 08.08.


Am letzten Badetag am Campingplatz hole ich am Vormittag in Rovies noch einmal Frühstücksgebäck, Milch und Obst. Mittags kommt Jörg mit Onkel Christos, dem Bruder von Irinis Vater, vorbei. Die Verriegelung der Hecktüren beim Bus ist angerostet und locker. Christos ist Schlosser und will uns helfen. Er sieht sich die Sache an, aber am CP kann er den Riegel nicht schweißen. Elektroschweißen würde wahrscheinlich sämtliche Sicherungen killen, außerdem ist der Funkenflug zu gefährlich. Wir vereinbaren, dass ich morgen mit dem Bus nach Limni komme. Nachmittags ist es wieder sehr heiß und der Wunsch nach Abkühlung im Meerwasser siegt über meine Bedenken wegen meiner Beinverletzung, die ohnedies schon zu heilen beginnt. Um 22 Uhr spielt Jörg´s Fußballmannschaft wieder in Rovies. Wir fahren eine Stunde früher hin und essen in einem Strandcafe Crepes mit Schokoladecreme und Vanilleeis. Dann besichtigen wir noch den venezianischen Wehrturm, der ursprünglich Teil eines kleinen Kastells war.

Anschließend fahren wir zum Fußballplatz. Jörg und seine Mannschaft haben diesmal weniger Glück, obwohl Jannis fest die Daumen drückt und Irinis Familie geistig mithilft, und verlieren knapp.

Zurück am Campingplatz beginnen wir noch mit dem Zusammenpacken, wegen Müdigkeit kommen wir aber nicht weit.


Donnerstag, 09.08.





Wir stehen früher auf, reinigen zuerst die Markise und befreien sie von unzähligen Piniennadeln. Dann machen wir den Bus innen fertig und ich fahre nach Limni; Lotte bleibt mit dem Kühlschrank, Bodenmatte, Tisch und Sesseln inzwischen am Campingplatz. Es ist wieder zu heiß, um sich unnötigerweise zu bewegen. Zuerst hole ich bei der Bäckerei in Rovies noch einige Gläser Pinienhonig, den wir in Graz verschenken werden. In Limni verpasse ich die obere Ortseinfahrt und fahre einige km zu weit. 
Zurück bei der richtigen Abzweigung rufe ich Jörg an, er wird mit dem Moped entgegen kommen und mich zum Reparaturplatz lotsen. Wir verpassen uns und ich fahre fast bis zum Hafen. Endlich findet Jörg mich, dann fahren wir noch einmal zum oberen Ende von Limni, um dann den richtigen Weg zu seinem Haus zu nehmen. Es ist alles so kompliziert, weil die Straßen im Ort sehr schmal, steil und kurvig sind. Eigentlich weiß man nie, ob man mit dem Bus durchfahren kann. Bald kommt Christos und gemeinsam mit einem Nachbarn stabilisiert er den Riegel und schweißt kleine Bleche zur Verstärkung ein.

Natürlich will wieder niemand Geld nehmen, aber schließlich gebe ich dem Nachbarn 20,- und Jörg für seinen Schwiegeronkel 10,-, denn der löst gerne Kreuzworträtsel und Jörg soll ihm ein paar Hefte kaufen. Dann parke ich den Bus beim Hafen, besorge noch Geld und Ansichtskarten und trinke mit Irini, ihren Geschwistern und Jörg noch ein Abschiedsgetränk. Am Rückweg muß ich wieder die steile Straße hinauffahren, wegen der vielen Umwege geht mir jetzt der Diesel aus. Warum hat Lotte auch nicht früher getankt? Das passiert natürlich auf einem einspurigen Teilstück, aber ich habe Glück im Unglück. Vorsichtig rolle ich 50m zurück und parke den Bus an einer etwas breiteren Stelle. Ein Grieche nimmt mich mit zur nur 1km entfernten Tankstelle. Der Tankwart füllt 20lt Diesel in einen Kanister, sein Sohn bringt den Kanister und mich mit dem Moped zum Bus und hilft mir beim Einfüllen. Nach einigen Versuchen startet der Motor, zum Glück ist die aufwendige Entlüftungsprozedur diesmal nicht notwendig. Nach 4 Stunden bin ich zurück bei Lotte, die schon einmal angerufe hat, weil sie nicht glauben kann, dass die Reparatur so lange dauert. Die eigentliche Reparatur hat ja auch nur 30 Minuten gedauert. 
Wir verstauen schnell unsere restliche Ausrüstung und hängen den Trailer am Bus an, um noch die Fähre um 16 Uhr zu erwischen. Diesmal kennen wir schon den Weg durch Aedipsos und kommen rechtzeitig nach Agiokampos. Unser Navi weist uns wie immer den Weg: diesmal direkt ins Meer, zum Glück steht genau da eine Fährschiff. Wir müssen rückwärts auf die Fähre fahren. Das ist mit dem kleinen Motorradanhänger meistens schwierig, weil er hinter dem Bus für mich nicht sichtbar ist. Vor mir ist ein PKW mit Bootsanhänger an der Reihe. Der Fahrer steigt aus und überläßt dem Fährpersonal das Rangieren. Ich werde nervös, weil ich selbst fahren möchte und bereite mich schon auf eine Diskussion vor. Der Fährenmitarbeiter ist aber ohnehin damit einverstanden, dass er mich einweist und alles gelingt bestens.

Abschied von Evia (Euböa) bei starkem Wind und wunderschön blauer See. So schön, wie die ganze Insel. Ein Foto soll das Feeling festhalten. Bei der Überfahrt nach Glifa hat das Meer Schaumkronen und manchmal spritzt die Gischt ziemlich hoch auf. Unser Gespann bleibt trotzdem trocken, weil ein daneben stehender großer Reisebus besten Schutz bietet.
Am Festland angelangt, fahren wir nach Achilleion an der Südwestecke des Golf von Volos. Dort schauen wir uns die Charteryachten von Ecker-Yachting an. Im dazugehörigen Lokal gibt es laut Ankündigung „Bier vom Fass“. Hier wollten wir vor unserem Urlaub eine kleine Yacht für eine Woche reservieren, aber auch die Last-Minute Preise waren uns zu teuer. Lotte ist darüber eigentlich ganz froh, denn so war es erholsamer. Wir fahren weiter zur Autobahn nach Larissa, dann über Bergstraßen zum Stausee des Aliakmonas. Es wird dämmrig, die Wolkentürme steigen immer höher und wir suchen am Ufer des Stausees eine geeignete Stelle zum Übernachten, weil Campingplätze gibt es in diesem Teil Griechenland nirgends. 

Langsam fahren wir auf einem steinigen Fahrweg zum See hinunter und parken dann auf einer halbwegs ebenen Stelle in der angrenzenden Wiese. Für die Suche nach einem Platz haben wir mindestens eine dreiviertel Stunde gebraucht und es war ziemlich spannend. Erstens will man nicht unbedingt am Straßenrand stehen, zweitens nicht gleich von allen gesehen werden, drittens weicht man einem weißen Pferd aus, viertens muss man mit dem Hänger umdrehen können und fünftens darf es nicht zu steil, zu steinig zu hoch bewachsen, zu stachelig und zu schlammig sein.

Bei all diesen Kriterien ist ebenes Gelände noch gar nicht dabei. Inzwischen ist es finster geworden, wir sind total verschwitzt und wollen uns noch im See waschen. Wir gehen das letzte Stück zum Ufer und haben leider keine Taschenlampe, aber ein heranziehendes Gewitter sorgt immer wieder für kurze Beleuchtung. Das Ufer ist schlammig und wir sinken bei jedem Schritt bis zum Knöchel ein. Schwimmen reizt uns da gar nicht und so schütten wir uns nur Wasser über den Körper. Es ist erfrischend, aber wir haben nicht das Gefühl sauber geworden zu sein. Zurück beim Bus müssen wir unsere Füße noch einmal waschen. Leider haben wir Licht gemacht und die drückende Schwüle drängt viele Mücken und Falter zu uns in den Bus. Wir schließen alle Luken, aber jetzt ist es unerträglich heiß, die Mücken schwirren uns um die Ohren. Lotte führt einen aussichtslosen Kampf gegen Mücken und Hitze und kann nicht schlafen. Peter hat es aufgegeben und ist vom Fahren auch so müde, dass er schläft bis das Gewitter voll einsetzt. Es regnet 2 Stunden lang ziemlich heftig und blitzt und donnert fast ununterbrochen. Obwohl wir den Bus so geparkt haben, dass wir im nassen Gras nicht bergauf fahren müssen, mache ich mir in der Nacht Gedanken, ob die Wiese nicht zu weich wird und ob der steile nasse Fahrweg bergauf für unseren Bus samt Anhänger zu schaffen ist.



Freitag, 10.08.





Wir haben die erste etwas kühlere Nacht in unserem Urlaub hinter uns, nur 23°. Nach dem Ende des Gewittes konnten wir noch einige Stunden schlafen. Ich stehe um 07.30 auf und schaue mir als erstes den Boden um den Bus und den Weg zurück zur Straße an. Es gibt nur wenige weiche Stellen und schaut insgesamt recht gut aus. Wir frühstücken noch und fahren dann ohne Probleme hinauf. Später sehe ich, dass die Reifenflanken ziemlich weit hinauf erdig sind, ein bißchen Glück haben wir anscheinend doch gehabt. Die Fahrt geht durch ebenes und hügeliges fruchtbares Gebiet. Von Mais, über Weizen bis zur Baumwolle gibt es hier alles. Zumindest halten wir die Pflanzen mit den schönen Blüten für Baumwolle. Immer wieder stoßen wir auf Gegensätz, die für uns schwer zusammengehen. Da lässt ein Hirte mit seinem Hirtenhund seine Ziegenherde über die abgeernteten Felder gehen und gleich daneben recken sich große Sonnenkollektoren dem Licht entgegen. 
Der nächste größere Ort auf unserem Weg ist Kozani, dort wollen wir noch die letzten Postkarten aufgeben und uns mit Bargeld versorgen. Das versuchen wir zuerst am Kozani Airport. An so einem wichtigen Flughafen müssen die doch eine Bank haben. Aber leider haben wir dessen Größe falsch eingeschätzt und müssen doch in die Stadt fahren. An der Einfahrtsstrasse finden wir eine Bank mit Bankomat. Leider bricht das Gerät die Transaktion zweimal ab, auch die Bankmitarbeiterin weiß keinen Rat. Wir müssen daher zu einer anderen Bank in die Innenstadt. Ich parke griechisch direkt vor einer Bank, das heißt ich stehe auf einer Bushaltestelle. Lotte ist mit ihrer Bankomatkarte wieder erfolglos, doch gleich daneben ist eine weitere Bank, dort klappt es endlich. Beim Durchfahren von Kozina schaut Lotte sich ein wenig die Auslagen an und findet die Stadt plötzlich ziemlich schön. Mit GPS-Unterstützung finden wir wieder auf unseren Weg nach Niki zur griechisch-mazedonischen Grenze. In der letzten griechischen Stadt, Florina, versorgen wir uns noch mit Lebensmitteln. Außerdem haben wir in Kozani vor lauter Geldproblemen vergessen, die letzten Ansichtskarten aufzugeben, daher suchen wir jetzt noch das Postamt. Laut Navi stehen wir direkt vor dem Postgebäude, nur real ist davon leider nichts zu sehen. Wir finden aber an der nächsten Straßenecke einen Postkasten und verlassen dann erleichtert das enge Ortszentrum, wie immer mit Navi-Unterstützung (die Postkarten treffen eine Wochen nach uns in Österreich ein - ohne Navi ist es halt schwierig). Bald sind wir im Grenzort Niki. Bei der Einreise nach Mazedonien sind wieder die drei grünen Karten das wichtigste. Die Angaben darauf werden in den Computer eingegeben. Bis Bitola ist die Fahrt problemlos, dort wird wieder ausgiebig getankt, diesmal sind es 86 Liter. Bis Ohrid sind es nur mehr 70km, aber der Straßenzustand ist bis jetzt der schlechteste der gesamten Reise, der Asphalt ist manchmal alle 10m aufgebrochen und selbst bei Geschwindigkeiten unter 50 km/h schüttelt es den Bus und alles klappert ununterbrochen. 
Doch gegen 15 Uhr haben wir es geschafft und suchen einen Campingplatz. Einige km nach Ohrid folgen wir einem Hinweisschild und gelangen zu einem Platz, auf dem die Zeit stehen geblieben ist. Jugoslawien oder Ungarn in den 70er-Jahren, es wurde nichts verändert, auch der natürliche Verfall des Platzes und der zahlreichen Mietwohnwägen wurde in keiner Weise behindert. Neu für uns sind nur nachträglich vergitterte Fenster an den Wohnwägen, die die Urlaubsstimmung nicht unbedingt fördern. Hier ist es uns zu trostlos, wir fahren weiter Richtung Albanien und gelangen zum Campingplatz Livadiste, der ein bißchen freundlicher und lebendiger wirkt. 

Wir haben den Motor kaum abgestellt, als wieder ein Gewitter mit Starkregen beginnt. Ich will vorher noch den Strom anschließen, verschiebe das aber auf später, weil ich schon allein beim Aussteigen ordentlich nass werde. Als es aufhört zu regenen beschließt Lotte einen WC-Besuch. Die erste Anlage in der Nähe verlässt sie mit Grausen. Wir breiten den Mantel des Schweigens darüber. Entsetzt will sie sofort das Gelände verlassen, weil sie aber dringend aufs Klo muss, versucht sie es mit der zweiten Anlage. Hier ist es zum Glück sauberer und es gibt Spülwasser und Türen, man könnte eventuell sogar duschen. Wir beschließen, heute nicht mehr mit dem Motorrad nach Ohrid zu fahren, denn die Straßen sind nass und wir würden ziemlich viel Schmutz abbekommen. Es ist ziemlich kalt geworden. Auf diesem Platz ist unser Bus eines der jüngsten und am besten erhaltenen Objekte.

Wie man sieht, hat Peter eine morbide Phase. Aber das gute mazedonische Essen im angenehmen Ambiente des Restaurats möbelt ihn dann wieder auf. Allerdings ist es so reichhaltig, dass er völlig fertig ins Bett sinkt.








Samstag, 11.08.





Wir starten heute ohne Toilettenbesuch, schließlich haben wir keine Gummistiefel mit. Auch Frühstück und Zähneputzen wollen wir später nachholen. Beim Bezahlen spreche ich den Angestellten wegen der Sanitärräume an, er entschuldigt sich und meint, die Besucher dieses Platzes seien leider „sehr undiszipliniert“. Nach einer halben Stunde Fahrzeit erreichen wir die Grenze zu Albanien. Der Grenzübertritt dauert eine halbe Stunde, und wieder sind die grünen Karten das Wichtigste. Dann wechselt Lotte noch 50 Euro in Lek und wir fahren von der Passhöhe richtung Elbasan. Ein Junge steht am Straßenrand und schreit „Bakschisch“. Wir denken, dass das hier vielleicht üblich ist, aber da irren wir uns sehr. Als erstes fallen uns die berühmten „Schwammerln“ auf, kleine pilzförmige Verteidigungsanlagen aus Beton, die aus der Zeit der totalen Abschottung Albaniens stammen. Sie sind nicht nur an der Grenze, wie man erwarten könnte, sondern im ganzen Land verteilt. Wen oder was sie da bewacht haben, ist uns schleierhaft.

Daneben bereits die Zeichen des Kapitalismus und der ungebremsten Marktwirtschaft: riesige Werbetafeln einer österreichischen Versicherung und merkwürdige Wasserspiele: entlang der Straße liegen immer wieder zum Himmel gerichtete Gartenschläuche, aus denen springbrunnenartig das Wasser spritzt. Zuerst vermuten wir eine Form von Bewässerung, aber der Boden um die Schläuche ist immer befestigt. Dann kommen wir drauf, dass es sich um eine Werbung für private Autowaschplätze handelt, anscheinend ist es die häufigste Form von selbständiger Arbeit in Albanien und man benötigt dafür nur 200qm Grund an einer Hauptstraße, einen Wasseranschluß mit Gartenschlauch und einen Kanister Putzmittel. Die Luxusausführung hat noch zusätzlich einen Betonboden und eine Überdachung. Und was die Albaner mit den Österreichern gemeinsam haben: Die heilige Kuh, hier meist ein alter Mercedes, wird am Samstag gewaschen. Wir kommen nach Librazhd im Tal des Flusses Shkumbin. Dort steht eine große Erzaufbereitungsanlage, die aber einen stillgelegten Eindruck macht. Auch eine ebenfalls stillgelegte und verfallende Bahnlinie begleitet uns flußabwärts. An der Straße gibt es überaschend viele Tavernen und Restaurants, manchmal auch größere Hotels. 


Am Ende des tief eingeschnittenen Tals kommen wir in die erste größere Stadt: Elbasan. Die Route führt am Stadtrand entlang, alte Gewerbegebäude säumen die Straße, dazwischen auch Wohnbauten.

Von Elbasan fahren wir über eine schmale Paßstraße nach Tirana. Entgegen meinen Erwartungen ist das Land bisher sehr grün und schön bewaldet. Ganz besonders ist die rote Erde. 




Am Berg beginnt ein heftiges Gewitter, einmal sehe ich einen Blitz unter uns. Ein umgestürzter Baum blockiert fast die Straße, aber die Aufräumarbeiten haben bereits begonnen.

Wenige km vor Tirana werden wir auf eine fast fertige Autobahn umgeleitet. Hier begegnen wir einer Kuh, die unbeeindruckt vom Verkehr mitten auf der überbreiten Fahrbahn steht. Die Autobahn endet leider nach wenigen km und dort fehlt jeglicher Hinweis auf den weiteren Straßenverlauf. Wir stehen ratlos da und fragen einen Autofahrer nach dem Weg durch Tirana und nach Skodher. Er ist, wie alle Albaner mit denen wir es zu tun bekommen, sehr nett und geleitet uns über Nebenstraßen ins Zentrum, dort kennt sich auch das Navi wieder aus.


Tirana wirkt freundlich und bunt und macht den Eindruck einer richtigen Metropole, überall wird neu gebaut, viele Menschen sind unterwegs und der Verkehr ist leicht chaotisch.Der Bürgermeister ist Architekt und ließ viele alte Plattenbauten bunt anstreichen, angeblich wurden die Bewohner von den fröhlichen Farben aufgemuntert und eine neue Aufbruchsstimmung entstand.

Lotte sieht im Vorbeifahren viele neue Geschäfte, auffallend sind die vielen Läden mit Hochzeitskleidung. Es ist schade, dass wir für einen ausgiebigen Stadtbesuch keine Zeit haben.


Im Nordteil der Stadt kommen wir in einen Verkehrsstau, Ursache sind neben Verkehrsüberlastung Bauarbeiten an einem großen Kreisverkehr, den wir zu drei Viertel passieren müssen. Mehrere Polizisten versuchen den Verkehr zu regeln, aber nur mutiges Drängeln bringt uns hier weiter, wer bremst, darf weiter warten. Als der eine Polizist uns sieht, leuchtet sein Gesicht und er sagt, „ah Graz“, das kennt er, beziehungsweise ein Freund von ihm. Und Freunde hat er viele, denn als er energisch den Verkehr für uns aufhält und ein anderer sich darüber beschwert, schaut er zuerst grantig und begrüßt den anderen dann herzlich, wie unter Männern, versteht sich. Denn Frauen sehen wir hier keine am Steuer.


Endlich liegt die Kreuzung hinter uns, wir kommen sofort auf eine autobahnartige Straße und vor lauter Freude übersehen wir, dass wir schon nach wenigen hundert Metern wieder abzweigen müssen. Die nächste Ausfahrt ist erst nach 13km, daher verlassen wir die Autobahn kurz entschlossen ohne offizielle Ausfahrt und fahren auf der parallel laufenden Landstraße zurück. Jetzt sind wir konzentrierter und erreichen die richtige Straße nach Norden. 

Laut Internet gibt es ca 20km vor Skodher einen Campingplatz, der von einer niederländischen Familie betrieben wird. Die Hinweistafel an der Hauptstraße ist nicht eindeutig. Ich frage zwei Albaner, die gerade in ihr Auto steigen, nach dem Weg. Sie sprechen albanisch und italienisch und scheinen sich in der Gegend auszukennen. Sie deuten mir, ihnen zu folgen. Wir biegen auf eine Nebenstraße und nach 7km liefern uns die beiden am Tor des Campingplatzes ab. Wir bedanken uns, wollen ihnen den Umweg finanziell entgelten, aber das lehnen sie strikt ab. Sie erzählen, sie seien aus Turin auf Verwandtenbesuch und winken zum Abschied. Dann werden wir am CP auf deutsch und holländisch begrüßt. Es ist ca 16.30 und wir haben für 210km 7 ½ Stunden gebraucht. Wir sind müde und durchgeschüttelt und genießen die Stimmung auf diesem ruhigen, modernen und absolut sauberen Platz, wo sogar das Wlan funktioniert. Ich öffne die Hecktüren unseres Busses, um das Verlängerungskabel für den Stromanschluß heraus zu holen und muß dafür das Stützrad des Anhängers absenken, weil die Vorrichtung den Schwenkbereich der Tür blockiert. Dann sehe ich, dass die Schweißarbeit an der Verriegelung wieder aufgebrochen ist und die Türen nicht dicht schließen, die Folge ist ein ziemlich staubiges Bett, dass Lotte notdürftig mit dem Handbesen reinigt. 

Lotte fühlt sich ein wenig wie auf einem holländischen Bauernhof, mit frei laufender Mutterglucke im absolut flachen Gelände. Aber außerhalb des CP fährt der Pferdewagen vorbei und ein Hirte weidet seine Ziegen. Also doch nicht Holland. Es hat wieder um 30° und wir entspannen uns noch im kleinen Pool.

Leicht getrübt – im echten Wortsinn – wird die Atmosphäre hier nur durch den Geruch nach brennendem Müll, der aber fast überall im nördlichen Albanien spürbar ist.




Sonntag, 12.08.



Größere Kartenansicht
und von Stolac über Hodovo und Buna nach Blagaj auf einer Straße, die in GoogleMaps nicht existiert:





Am Vormittag machen wir uns fertig zum Weiterfahren. Ich verstaue das Stromkabel gleich vorne im Bus, um die Hecktürenverriegelung nicht wieder zu strapazieren. Dann verlassen wir den netten Platz und werden am Weg zur Hauptstraße durch eine Autokolonne aufgehalten, die offensichtlich zu einer Hochzeit gehört. Vielleicht sind die Augustsonntage die beliebtesten Hochzeitstermine, denn wir sehen heute noch ca 10 Hochzeits-kolonnen. Das spielt sich etwa so ab: Zunächst werden Braut oder Bräutigam, das wissen wir nicht so genau, von zu Hause abgeholt, mit Musik und Spalier und großem Hallo. Wir haben unterwegs viele geschmückte Lokale und Häuser gesehen. Also nehmen wir an, sie fahren dorthin. Ob vorher oder nachher die Trauung stattfindet und ob in einer Kirche, Moschee oder Standesamt, wissen wir leider nicht. Ein Informationsdefizit, die Reiseleitung hat hier versagt. Dann geht es per Auto weiter. An der Spitze immer ein Auto mit Kameramann, dahinter folgt ein möglichst neues, silbergraues Mercedes-Coupe mit dem Hochzeitspaar, die Braut unheimlich toll geschminkt und gekleidet, dahinter die restlichen mit roten und weißen Gazeschleiern geschmückten Autos, aus denen sich Frauen und Mädchen möglichst weit hinaus lehnen, winken und färbige Tücher schwenken. Auch sie sind mit langen Kleidern, unglaublich hohen Absätzen, bei denen Lotte schon stolpert, wenn sie nur daran denkt, mit sowas gehen zu müssen, und möglichst viel Glitzer geschmückt. 
Peter meint, ob Claudia das noch toppen kann? Also was die Höhe der Stöckelschuhe betrifft, sicher nicht! Jetzt erst begreifen wir die vielen Hochzeitsausstatter unterwegs. Das ist hier offenbar ein Riesengeschäft.



Die nächste Stadt am Weg nach Norden ist Skodher, die Hauptstraße führt mitten durch den Ort. 
Einen Kreisverkehr umrunden wir zweimal, um ein großes Skanderbegh-Denkmal zu fotografieren. Der ist ja hier sozusagen Nationalheld, mythischer gemeinsamer Ahne und Heiliger in Personalunion. (Später bemerkt Andy, dass es zur Zeit Skanderbeghs noch keine Pistolen gab. Wir recherchieren im InterNet: Der Denkmalheld ist Isar Boletini, ein albanischer Freiheitskämpfer vor und im Ersten Weltkrieg.) 
Sonntags ist der ganze Ort auf den Beinen bzw. auf den Fahrrädern. Ich muß sehr aufpassen, um niemanden zu überfahren, denn besonders die Radfahrer fahren selbstmörderisch und fast immer auf der linken Fahrbahnseite, kommen uns also auf unserem Fahrstreifen entgegen.



Am Ortsende führt die Straße durch das Marktgebiet, hier entspricht der Straßenzustand den allgemeinen Befürchtungen über Albanien: kaum Asphalt und tiefe Schlaglöcher, denen man nicht immer ausweichen kann, da hilft nur Schritttempo. Allgemein sind die Straßen in Albanien besser als erwartet, trotzdem muß man jederzeit und insbesonders bei Brücken auf extrem tiefe Querrillen vorbereitet sein.


Die letzten 30km bis Montenegro führen wieder über eine neue Autobahn, die aber immer wieder durch noch nicht asphaltierte Stücke unterbrochen wird, hier finden wir die staubigsten Straßenabschnitte der ganzen Albanien-Durchquerung. Aber auch ältere Teile des Straßennetzes werden modernisiert.
Am Shkodersee entlang kommen wir zur albanisch – montenegrinischen Grenze.


Auch dort interessieren wieder die grünen Karten. Aber diesmal gibt es auch einen Zöllner, der unser Auto besichtigt. Peter stellt ihm unser Stockerl hinaus, damit er bequemer einsteigen kann. Er sieht sich um und schaut in ein paar Kästen, dann geht er wieder. Wir sind froh, dass es nicht lange dauert und auch bei der Einreise nach Montenegro gibt es außer dem Üblichen keine Probleme. Die Straße ist anfangs noch sehr gut und wir kommen etwas schneller voran. Von hier haben wir eine besonders schöne Aussicht auf den See und seine ausgedehnten Feuchtgebiete. Wir sehen Kühe und Reiher und andere Wasservögel. Beim Gedanken, an die höchstens drei oder vier Gelsen, die es geben könnte, sind wir froh, hier nicht zu übernachten. Die nächste Stadt ist Podgorica, aber wir sehen kaum etwas davon, weil es eine gute Umfahrungsstraße gibt. Laut Navi fahren wir allerdings mitten im Gelände. 

Bald nach Podgorica beginnt wieder eine Autobahn, aber mein Freudentaumel hält nur kurz an, weil nach 5km ist sie zu Ende, aber die weitere Strecke nach Niksic hat zumindest einen guten Belag und keine engen Kurven und ist breit genug zum entspannten Fahren. 

Nach Überquerung eines Flusses neben einer alten Brücke bei Niksic beginnt die Straße zu steigen. Wir kommen auf eine große Hochebene, die kaum bewohnt ist und noch eine Ebene höher füllt ein Stausee den Platz. 

Aber es geht immer noch höher, bis zur Grenze zwischen Montenegro und Bosnien-Herzegowina auf 1000m.

Diesmal müssen wir etwas warten. Vor uns sind einige Motorradfahrer aus Slowenien, bei denen genau kontrolliert wird, ob das wohl ihre Fahrzeuge sind, was eigentlich für jeden offensichtlich sein müsste, der sieht wie sie aufgepackelt sind. Zwei junge Frauen mit Tramperrucksäcken wollen zu Fuß über die Grenze, das geht problemlos. Peter steigt aus und geht zum Zollhäuschen nach vor, denn immer wieder kommen von irgendwoher Leute, die sich dort anstellen, wodurch wir nicht weiter können. Seine Taktik funktioniert. Diesmal interessieren besonders die Zulassungsscheine. Endlich mal was anderes. Als wir durch sind, fragen wir die beiden Mädchen, ob wir sie ein Stück mitnehmen sollen. Sie sagen, sie kommen aus Dänemark und wollen nur bis zur Einreisestation nach Bosnien, weil sie dort Bekannte treffen. Wir lassen sie einsteigen, aber – wo ist das Stockerl?! Peter hat es, nachdem der Albaner ausgestiegen ist, glatt dort stehen gelassen. Na super! Wenn Lotte jetzt raus will, hilft nur noch turnen. Bei der Grenzstation steigen die Mädels aus und wieder reisen wir in einen neu-en Staat. Nach Mazedonien mit ähnlich wie Griechisch , Albanien, mit für uns normaler Schrift und Montenegro mit zwei Schriften, die wir nicht lesen konnten, nun also in Bosnien-Herzegovina wieder Cyrillisch. Zum Glück gibt es auch lateinische Ortstafeln, denn wir sind schon etwas verwirrt von den vielen ähnlichen und doch anderen Buchstaben. Wir wechseln die Länder einfach zu schnell, als dass wir uns an irgendetwas anpassen könnten. Ein wenig wehmütig denken wir an die Zeit,da das alles noch einfach Jugoslawien war. Wir hätten dann bis Griechenland nur noch 2 Grenzen gehabt. So aber durchqueren wir fünf Nachfolgestaaten. Wobei von unserer Warte aus die Gemeinsamkeiten, die Unterschiede überwiegen, denn die Schlaglöcher tragen auch keine Flaggen. Nun ja, Kroatien und Slowenien haben wir noch vor uns und die sind uns sozusagen ein wenig näher und bekannter. Die erste Stadt am weg durch Bosnien-Herzegovina ist Trebinje. Auch hier wird der Verkehr über eine Umfahrungsstraße geleitet, was vom Navi natürlich nicht akzeptiert wird. Wir halten uns trotzdem an die örtlichen Wegweisetafeln und gelangen problemlos auf die Straße nach Mostar. 

Die Straße führt an einem Fluß entlang, wo große Wasserräder das Wasser in ein Bewässerungssystem für die angrenzenden Felder schaufeln. Das ausgetüftelte System funktioniert ohne zusätzliche Pumpen. Die letzten 80km nach Mostar sind wieder schmal und teilweise steil, auch der Straßenbelag ist eher schlecht und wir kommen nur langsam weiter. 

Wir wollen in Blagaj übernachten, weil es im 10km entfernten Mostar keine Campingplätze gibt. Wir versuchen eine Abkürzungsstrecke, scheitern aber nach 500m an einem Fahrverbot für Busse und LKW über 5to.Wir vermuten eine zu kleine Brücke im weiteren Verlauf der nur einspurigen Straße und drehen freiwillig um. Wir gelangen auf der normalen Straße nach Blagaj und fahren über eine schmale Zufahrt zum Tor unseres im InterNet ausgesuchten Wunsch-Campingplatzes. Der Platz ist sehr klein und mit Zelten vollgestellt. Hier haben wir keinen Platz. Wir müssen noch über 1km weiter fahren, bis wir an einer kleinen Kreuzung endlich umdrehen können, ohne den Trailer abzuhängen.Dann steuern wir den nächsten Campingplatz an, diesmal sind wir vorsichtiger, bleiben auf der Hauptstraße des kleinen Ortes stehen und gehen die letzten 250m zum Platz zu Fuß. Wir haben Glück, der Platz ist zwar auch sehr klein, aber nicht voll. Nach dem hygienischen Schockerlebnis am Ohridsee besichtigt Lotte vorab Toiletten und Dusche, aber es passt alles, Mazedonien war wirklich eine traurige Ausnahme. Der Platz liegt unmittelbar am kleinen Fluß Buna, dessen sauberes Wasser 8° hat, denn wir sind nahe seiner Quelle. Wenn der Wasserstand höher ist, wird darauf gepaddelt und mit Raftingbooten gefahren.  

Der Boden ist wie meistens uneben und ich hole die Unterlegkeile aus dem Fahrzeugheck. Jetzt fällt mir auf, dass die Stützradhalterung des Anhängers völlig verbogen ist. Kein Wunder, weil ich habe beim Wegfahren am Vormittag die Hecktüren nicht geöffnet und auf das vorher abgesenkte Stützrad vergessen. Ich ärgere mich ziemlich über meinen Fehler, immerhin gibt es an diesem Tag drei Schäden: Verriegelung weiter gebrochen, Stockerl verloren und Stützeinrichtung verbogen; zwei davon durch meine eigene Unachtsamkeit verursacht. Wir bauen Tisch und Sessel im Freien auf und essen selbst gebratene Zucchini mit Zitronensaft und Nudeln. Inzwischen ist der CP voll. Nach dem Abwaschen wird es finster. 

Trotzdem fahren wir noch mit dem Motorrad, das Peter vom Staub der Reise gereinigt hat, in die Altstadt von Mostar. Peter war vor zwei Jahren im November an einem Regentag hier und hat alles eher ruhig und in einer besonderen Stimmung in Erinnerung. Heute ist alles ganz anders. Die Altstadt ist sehr stimmungsvoll beleuchtet, die große Attraktion ist natürlich Stari Most, die berühmte Brücke, die 1993 im Krieg zerstört, dann unter UN-Aufsicht neu errichtet und 2004 wieder eröffnet wurde. Aber die ganze Altstadt wirkt wie ein großer Touristenbazar und diese wälzen sich auch in Massen durch die schmalen, von Souvenirläden und Restaurants gesäumten Straßen. Trotzdem ist es ein schönes Erlebnis. 

In einer der vielen Moscheen treffen sich Frauen zum Abendgebet.
Wir schlecken ein Eis, machen ein par Nachtfotos und fahren bald zum CP zurück.

Peter ist heute die 300km in 8 Stunden gefahren und dementsprechend müde. Die Nacht wird kalt hier am Fluss, bei 12°C friert Lotte ziemlich. Da hilft nur eine extra Decke und fest zusammenrollen.


Montag, 13.08.


Peter ist früh aufgewacht und schreibt Tagebuch. Wir wollen heute hier bleiben, weil wir noch einmal nach Mostar fahren wollen und zur Quelle des Flusses, an dem wir stehen. Um 8.00, als Lotte aufsteht, erscheint es uns allerdings noch zu früh. Mit Weiterschreiben und Frühstück wird es dann doch 10.30 ehe wir soweit sind. Den Weg in die Stadt kennen wir schon und wir parken fast vor dem Hotel, in dem Peter damals übernachtet hat. 
Wir schauen uns als erstes im ehemaligen Hamam, einem Badehaus, eine Ausstellung über die Geschichte Mostars und die noch geplanten Restaurierungs- und Bautätigkeiten an. Auch einen kleinen Film gibt es, der sowohl alte Aufnahmen, als auch die Kriegsgeschehnisse in Mostar 1992/93, einschließlich der Sprengung der berühmten Brücke durch die Kroaten und deren Wiederaufbau zeigt. 

Gegenüber dem Hamam liegt eine der ältesten Moscheen von Mostar (Ende 16. Jh.). Wir sehen sie uns auch innen an,denn diese ist für Touristen immer offen. Einst war sie das Gebetshaus für die in dieser Straße wohnenden und arbeitenden Lederverarbeiter.

Danach gehen wir die Stufen hinunter zum Ufer der Neretwa, von wo man einen wunderschönen Blick auf die Brücke und die dahinter liegende Altstadt hat. Auf dem höchsten Punkt der Brücke steht ein Mann, der sich bereit macht, die mind. 20 m hinunter ins kalte Wasser zu springen. Er sammelt Geld ein und wenn er genug hat, springt er. Lotte schüttelt sich, bei dem Gedanken, auf diese Weise ihr Geld verdienen zu sollen. Keiner von uns würde auch nur im Traum daran denken, da hinunter zu springen.



Wir überqueren die Brücke auf den sehr glitschigen Steinen und besichtigen eine zweite Moschee. 

Diese ist noch in Verwendung, es ist Ramadan (Fastenmonat) und gerade Zeit für das Mittagsgebet. Wir warten draußen im schattigen Hof, wo ein Brunnen Wasser spendet. Es ist wieder sehr heiß geworden, doch hier ist es erträglich.Wir können die Gebete und Gesänge in der Moschee hören und Lotte überlegt sich, dass sie hier vielleicht zum ersten mal Musik hört, wie sie auch schon vor annähernd 1400 Jahren gesungen wurde. Sie ist sehr klar, manchmal zweistimmig und wirkt beruhigend.



Als die Gebete verstummt sind, dürfen wir den Innenraum besichtigen. Lotte fällt auf, dass diese Moschee nur einen sehr kleinen Balkon für die Frauen hat, aber wir wissen leider nicht wieso.




Es ist Nachmittag geworden und wir sehnen uns nach dem kühlen Fluss und etwas zu essen. Wir wollen zum Campingplatz zurück, aber bevor wir zum Motorrad kommen, fallen uns noch zwei Dinge ins Auge, die wir unbedingt fotografieren müssen.





Bei einer großen Kreuzung warten wir vor einer roten Ampel, als ein ca zehnjähriger Junge mit Scheibenputzausrüstung auf uns zuläuft. Ich frage mich, ob er vielleicht unsere Helmvisiere putzen will, aber er möchte nur am Gasgriff des Motorrads drehen. Peter erlaubt es und der Bub läßt vor Glück strahlend mehrere mal den Motor aufheulen.  

Am Stadtrand werden Leder, Felle und Kessel für offenes Feuer angeboten - eher Gebrauchsgegenstände für ein Hirtenvolk. 

Wir suchen uns ein schattiges Plätzchen am CP, wo wir unser letztes griechisches Joghurt mit Pinienhonig essen. Der Campingbesitzer schenkt uns dazu Feigen, Trauben und Äpfel aus seinem Garten. Paradiesisch. 


Wir lassen uns Zeit zum Ausruhen und ziehen erst gegen 17:00 wieder mit dem Motorrad los. Die Quelle des Flusses finden wir keine 2 km entfernt am Fuße einer ca. 300m hohen Felswand. Dort ist eine Höhle, aus der der Fluss herausströmt. Wir dachten bei einer Quelle an ein Bächlein, aber hier kommt gleich ein ganzer ausgewachsener Fluss! Das ist etwas ganz besonderes und so scheinen das auch die Türken gefühlt zu haben, denn sie haben unter die Felswand eine Moschee gebaut und solange sie herrschten, durfte an diesem Ort weder gejagt noch gefischt werden – denn alles Lebendige kommt aus dem Wasser, wie es im Koran heißt.

Rund um diesen schönen Ort gibt es, wie könnte es anders sein, wieder jede Menge Souvenirläden und gediegene Restaurants. 


Wir verlassen den Fluss und biegen ab auf einen Fahrweg in ein Seitental. Dort gibt es einen Weg auf die Burg, die wir vom CP aus sehen und die schräg über dem Felsen liegt, aus dem die Quelle kommt. Ein Stück geht es noch mit dem Motorrad, aber dann weicht Peter einer Dornenranke aus, die eine Gefahr für unsere nackten Beine ist. Dabei kommt er in tiefen, steilen Schotter, wo er stoppt und trotz gebremsten Vorderrads ein Stück zurück rutscht, weil er beide Füße am Boden hat und die Fußbremse für das Hinterrad nicht betätigen kann. Lotte steigt ab, bewältigt den kurzen Abschnitt lieber zu Fuß und läßt sich dann wieder zum Aufsteigen überreden. Bald endet der Fahrweg, dann ist es nur noch ein gut angelegter, aber schmaler und steiniger Wanderweg, der in Serpentinen auf die Burg führt.

Oben angekommen sehen wir vom höchsten Punkt aus das gesamte Tal vor uns in der Abendsonne ausgebreitet. Das lässt sich leider nicht im Bild festhalten. Wir stellen fest, dass Burgen unsere Fantasie irgendwie beflügeln und schwärmen von Rittern und Burgfräulein. Allerdings geht unsere Fantasie was Filme betrifft eigene Wege, denn Peter fällt als erstes Monty Pythons Ritter der Kokosnuss ein, Lotte dagegen schon eher Ritter Ivanhoe. Aber zumindest Burg bleibt Burg. Wir steigen im Abendrot durch den Pinienwald hinunter zu unserem Motorrad, das unten auf uns wartet. Über die Schotterpiste, auf der wir beim Hinauffahren einmal Probleme hatten, fahren wir vorsichtig zurück, kaufen unterwegs noch ein paar Tomaten für einen Salat und Obst und Milch für morgen und lassen uns dann ein spätes Abendessen schmecken. Ach ja, ein Tratscherl mit deutschen Touristen über die Salza, das Paddeln im Allgemeinen und Bärengeschichten im Besonderen erinnert uns an zu Hause. Es war wieder ein ziemlich voller Tag. Jetzt noch schnell duschen; zum Glück gibt es noch warmes Wasser. Und dann gute Nacht.



Dienstag, 14.08.


Mostar Ptuj auf einer größeren Karte anzeigen


Da der CP nur sehr klein ist, braucht der Besitzer jeden verfügbaren Platz, wodurch wir, als größtes Wohnmobil, in der Mitte eingezwängt sind und erst wegfahren können, wenn die meisten anderen vorher weg sind. Wir können uns daher mit dem Einpacken Zeit lassen. Das Motorrad wird am Hänger verstaut, das Cockpit vom Bus geputzt, der Müll entfernt und natürlich, wie könnte es anders sein, die Scheiben blitzblank gemacht. Erst um 11:00 sind wir so weit. Der Campingbesitzer fährt fürsorglich die steile und enge Straße hinauf, um zu schauen, ob sie auch für uns frei ist. Wir verabschieden uns herzlich, denn wir haben uns hier sehr wohl und gut betreut gefühlt. An Mostar vorbei geht es in die Berge, bis Jablanica immer an der Neretwa entlang. Ein Stausee reiht sich an den anderen. Ab Jablanica folgen wir dem Fluss Doljanka, es wird immer grüner und kühler und auf der Passhöhe werden die potentiellen Schifahrer begrüßt, allerdings natürlich nur im Winter. Wir fragen uns angesichts der Liftruine, ob der denn überhaut noch funktioniert. 


Bergab folgen wir dem Fluss Vrbas und weiteren Stauseen. Nach der letzten Staumauer wird der Fluss zum Wildwasser. Wir sehen Raftingboote und eine ausgewiesene Slalomstrecke. Dafür hat der Fluss allerdings momentan zu wenig Wasser. Trotzdem schäumt er ganz schön über manche Gefälle und uns packt die Lust auf Boot fahren. Zu Hause müssen wir nachsehen, wie dieser Fluss beschrieben wird. Viel zum Schauen kommen wir nicht, denn der Fluss liegt oft tief unter uns und die Straße windet sich in unzähligen Kurven durch die Schlucht. Sie ist nicht besonders breit, geht durch viele nur aus dem Fels gehauene Tunnels und Passagen. Wir werden stark an die Salza erinnert.

Erst bei Banja Luka öffnet sich das Tal und wir fahren in eine breite Ebene. Bald sollten wir zur kroatischen Grenze kommen, nur leider gibt es keinerlei Hinweis darauf, dass es kroatische Grenzstädte, geschweige denn so etwas wie ein Land Kroatien überhaupt gibt. Der Nationalismus treibt hier seltsame Blüten. Wir befinden uns in der eigenen Teilrepublik Republika Srpska, wo auch die ärgsten Vertreibungen stattfanden. Daher werden hier weit entfernte serbische Städte, wie Beograd angeschrieben, aber nicht der naheliegende Ort in Kroatien. Das Wissen um diese kuriose Eigenheit bringt uns aber bei einer Straßenkreuzung rein gar nichts. Wenn wir nicht unser GPS-Gerät hätten, könnten wir die Grenze glatt verfehlen. So aber können sie diese doch nicht ganz vor uns verheimlichen und wir verlassen dieses landschaftlich sehr schöne Fleckchen Erde ohne Grenzprobleme – mit den grünen Karten versteht sich. Die Fahrt durch Kroatien ist dagegen eher langweilig. Bei Okucani kommen wir auf die ehemals so gefürchtete Autoput Zagreb – Belgrad. Diese ist heute einfach eine Autobahn wie jede andere, man zahlt brav Maut. Aber an manchen Punkten sind doch noch die alten riesigen Parkplätze sichtbar. Heute gibt es neu asphaltierte ebenso große, ohne Baum oder Strauch, nur mit zwei transportablen Plumpsklos, vor denen wir uns hüten. Wir folgen den nun perfekten Hinweisschildern Richtung Slowenien. Die Sonne ist mittlerweile tiefer gesunken und scheint uns in die Augen. Wieder einmal schwitzen wir hinter der großen Glasscheibe, bringen aber die große Strecke auf den guten Straßen gut hinter uns. Als es dämmert betreten wir wieder den Boden der EU, denn weder die kroatischen noch die slowenischen Zöllner haben zu unserem Grenzübertritt etwas zu sagen. Das Auto wird einmal kurz inspiziert und es wird nach Zigaretten und Alkohol gefragt. 
Schnell sind wir wieder unterwegs und fragen uns, ob wir gleich nach Graz durchfahren sollen. Aber wir sind schon müde und ein zusätzlicher halber Ruhetag wird uns gut tun. Daher entscheiden wir uns, die Nacht am Campingplatz der Therme in Ptuj zu verbringen und morgen das Thermalwasser zu genießen. Schnell finden wir ein ebenes Plätzchen und fassen erst noch einen Spaziergang ins Auge.

Aber als wir gegessen und unsere Hausaufgaben gemacht haben, sind wir wieder einmal sehr müde. Da morgen unser letzter Reisetag ist, gehen wir noch einmal ein paar unserer Erlebnisse durch und und ein wenig wirft in den Gesprächen auch der Alltag seine Schatten voraus. Trotzdem schlafen wir gut, die griechische Hitze reicht nicht bis Slowenien.



Mittwoch, 15.08.



Größere Kartenansicht

Nach dem Frühstück ist es immer noch für unsere Begriffe sehr kühl. Trotzdem bewaffnen wir uns optimistisch mit den Badesachen und gehen um 10:00 ins Bad. Zunächst ist es uns draußen zu kalt und wir suchen das wärmste Becken und bleiben dort eine Stunde. Dann wird es auch draußen warm, denn die Sonne bricht durch die Wolken. Peter hat bald genug vom Herumliegen und geht zum Bus, um ein paar letzte Vorbereitungen zu treffen. Lotte geht noch schwimmen und im warmen Wasser weichen, dann wird es Zeit zum Packen. Um 15:00 müssen wir draußen sein. Das klappt, allerdings sehr knapp: 14:58. Peter sieht das ganz locker, Lotte macht das eher nervös. Wir schwingen uns wieder auf die Autobahn und nachdem wir in Spielfeld über der Grenze sind, wird das Handy aktiviert. Sohn, Eltern und Brüder werden über unsere heutige Heimkehr informiert. Uns kommt das ganz komisch vor. Wir freuen uns sehr auf die Menschen, aber gleichzeitig hätte wir es auch noch länger ausgehalten, unterwegs zu sein. 

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Kommentare:

  1. .....ich kann euch beiden nur gratulieren, mir gefällt euer stil,ihr bringt die dinge auf den punkt, man braucht keine Romane lesen und bekommt gute infos und fantastische bilder, danke.
    gruß vom zirbitzkogel
    richard bruce

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  2. Danke für den kurzweiligen sehr unterhaltsamen und gleichzeitig informativen Reisebericht.
    Hat mir sehr gut gefallen. Vielen Dank
    Sabine

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